Der Weg ist das Ziel

Wegunebenheiten, Gedränge, viel Lärm und außerdem noch Regen – alles Dinge, die für Menschen ohne Behinderungen zwar nervig, aber nicht wirklich tragisch sind. Für diejenigen, die nichts oder schlecht sehen können, sind es allerdings oft mehr als Unannehmlichkeiten, es sind Herausforderungen. Unsere Ehrenamtlichen unterstützen unsere Mieterinnen und Mieter, in dem sie Betroffene begleiten und diese Schwierigkeiten im wahrsten Sinne des Wortes umgehen. Doch wie begleitet man eigentlich richtig? Und wie finden sich Menschen mit Seheinschränkungen ohne Begleitung zurecht? Ein Workshop für unsere Ehrenamtlichen und Mitarbeitenden sollte diese Fragen am vergangenen Freitag beantworten.

Am Steglitzer Kreisel herrscht fast immer Hektik: Viele Autos fahren hin und her, unzählige Menschen sind unterwegs, alleine und in größeren Gruppen, einige Personen nutzen Fahrräder oder Roller. Am Freitag war das Wetter zusätzlich schlecht: Es regnete und windig war es außerdem – unterm Strich einfach ungemütlich.

In diesem Gewusel, in dem sich ein Großteil bewegt, ohne die anderen zu beachten, fiel unsere Gruppe auf ihrem Weg zum U-Bahnhof Rathaus Steglitz sehr auf. Während vier der acht Teilnehmenden unseres Workshops eine Augenbinde trugen, war der andere Teil in begleitender Funktion mit dabei. Ihre Aufgabe war es Straßenübergänge, Stolpergefahren, Pfützen und andere Dinge den in diesem Moment blinden Personen rechtzeitig anzusagen. Wie beim letzten Workshop auch, stand Michaela Franke, Rehabilitationslehrerin für blinde und sehbehinderte Menschen, mit wertvollen Tipps und einem umfangreichen Wissensschatz zum Thema zur Seite.

Auch wenn alle Beteiligten bereits ehren- oder hauptamtliche Erfahrungen in der Vergangenheit als Begleitung sammelten, gab es den einen oder anderen komplizierteren Moment. Beispielsweise sollte den Pfützen ausgewichen werden. Dass man dadurch den Autos ganz schön nahekommt, wurde allerdings erst bemerkt, wenn es fast zur Kollision mit den Seitenspiegeln kam.
Der Schwerpunkt dieser Übung lag vor allem aber auf die Sensibilisierung der Teilnehmenden mit Augenmaske. Ganz schnell wurde allen deutlich, welches Vertrauen die blinde Person der Sehenden schenken muss.

Eine Gruppe bestehend aus 6 Personen steht an einem U-Bahn-Gleis. Ein Zug fährt ein. Eine Frau hält einen Blindenstock.Am U-Bahngleis waren dann diejenigen, die mit Augenbinde unterwegs waren, froh, diese wieder abnehmen zu können. Michaela Franke nutzte anschließend die örtlichen Gegebenheiten, um die gängigen Leit- und Hilfesysteme auf Bahnhöfen zu erklären. Beispielsweise die Bedeutung von Rillen- und Noppenplatten, die Gummilippen an den Zugeingängen als Orientierungshilfe zum Einsteigen, Notrufsäulen und Notrufgriffe wurden thematisiert. Die Vorstellung, sich in dieser Umgebung, in der die allermeisten schnell hin und her flitzen, blind zurecht zu finden, fiel allen Beteiligten vor Ort schwer.

Mit getauschten Rollen machte sich die Gruppe anschließend wieder auf den Rückweg. Zurück in den Räumlichkeiten des Blindenhilfswerkes Berlin war nochmals Zeit für eine Blitzlicht-Runde, in der Erkenntnisse geteilt werden konnten. Einer davon war, dass der Weg alles andere als barrierefrei ist: Es fehlen Leitsysteme, nicht alle Ampeln funktionieren so wie sie sollen und außerdem ist der Geräuschpegel außerordentlich hoch und unübersichtlich.

Gut, wenn es dann so tolle Ehrenamtliche wie unsere gibt, die sich in ihrer Freizeit für blinde und sehbehinderte Menschen engagieren.

Ihre Ansprechpartnerin

Blindenhilfswerk Berlin e.V.

 

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